Deutschland startet 2026 mit einer Vielzahl gesetzlicher Neuerungen und politischer Weichenstellungen. Bundesweit treten Änderungen in Kraft, die Steuern, Sozialleistungen, den Arbeitsmarkt sowie zentrale Lebensbereiche wie Energie, Mobilität, Digitalisierung, Gesundheit, Bildung und Verbraucherschutz betreffen. Neben konkreten Entlastungen für Bürger und Unternehmen bringen die Reformen auch neue Pflichten und Anpassungen mit sich. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Steuern und Finanzen: Entlastungen und Zukunftsinvestitionen
Nach den wirtschaftlich angespannten Vorjahren bringt 2026 spürbare steuerliche Entlastungen. Der steuerfreie Grundfreibetrag steigt um 252 Euro auf 12.348 Euro pro Jahr. Gleichzeitig wird der Einkommensteuertarif angepasst, um die sogenannte kalte Progression auszugleichen. Familien profitieren von einer Erhöhung des Kindergeldes um vier Euro auf nun 259 Euro pro Monat und Kind. Der Kinderfreibetrag steigt auf 9.756 Euro jährlich.
Eine wichtige Entlastung betrifft die Gastronomie: Speisen unterliegen ab 2026 dauerhaft dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent statt bislang 19 Prozent. Zusätzlich werden Gewerkschaftsbeiträge, Parteispenden sowie die Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen steuerlich begünstigt.
Parallel setzt der Bund auf hohe Investitionen. Der Bundeshaushalt 2026 umfasst Rekordinvestitionen von über 128 Milliarden Euro unter anderem für Verkehr, Bildung, Digitalisierung, Wohnungsbau sowie innere und äußere Sicherheit. Unternehmen erhalten zusätzliche Innovationsanreize durch eine ausgeweitete steuerliche Forschungszulage. Die Obergrenze der förderfähigen Ausgaben steigt von zehn auf zwölf Millionen Euro.
Soziales: Bürgergeld wird wieder zur Grundsicherung
Im Bereich der sozialen Sicherung kommt es zu einer grundlegenden Umbenennung. Das Bürgergeld wird zur Mitte des Jahres 2026 wieder in „Grundsicherung“ umbenannt. Gleichzeitig werden strengere Mitwirkungspflichten und Sanktionsmöglichkeiten eingeführt. Ab Juli 2026 können Leistungskürzungen erfolgen, wenn angebotene Maßnahmen nicht ausreichend wahrgenommen werden.
Unverändert bleibt zunächst die Höhe der Leistungen. Der Regelsatz für Alleinstehende liegt weiterhin bei 563 Euro monatlich. Auch die Regelsätze der Sozialhilfe bleiben stabil. Anpassungen gibt es bei den Rechengrößen der Sozialversicherung: Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt auf 5.812,50 Euro monatlich. Der Abgabesatz zur Künstlersozialversicherung sinkt leicht von 5,0 auf 4,9 Prozent.
Rente und Altersvorsorge: Stabilität und neue Anreize
Die gesetzliche Rente bleibt dank einer verlängerten Haltelinie bis 2031 stabil bei einem Rentenniveau von 48 Prozent. Für Juli 2026 wird eine Rentenanpassung von rund 3,7 Prozent prognostiziert, abhängig von der Lohnentwicklung.
Das Renteneintrittsalter steigt weiter schrittweise an. Wer 1960 geboren wurde, erreicht die reguläre Altersgrenze mit 66 Jahren und sechs Monaten. Auch die Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte wird weiter angehoben.
Neu ist die sogenannte Aktivrente: Ruheständler können ab 2026 bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen, wenn sie freiwillig weiterarbeiten. Zudem tritt das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft, das die Förderung von Betriebsrenten ausweitet. Die Einkommensgrenze für geförderte Beiträge steigt auf 2.718 Euro brutto monatlich. Auch Hinzuverdienstgrenzen bei Erwerbsminderungsrenten werden deutlich erhöht.
Arbeit und Arbeitsmarkt: Mehr Lohn, neue Regeln
Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde. Davon profitieren über sechs Millionen Beschäftigte. Gleichzeitig erhöht sich die Minijob-Grenze auf durchschnittlich 603 Euro monatlich. Die Gleitzone für Midi-Jobs beginnt entsprechend darüber.
Die maximale Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld bleibt bei bis zu 24 Monaten bestehen. Für Auszubildende steigt die Mindestvergütung im ersten Lehrjahr auf 724 Euro brutto monatlich. Das Paketboten-Schutzgesetz wird entfristet, wodurch Auftraggeber dauerhaft für Sozialabgaben ihrer Subunternehmer haften. Zudem wird die Finanzkontrolle Schwarzarbeit weiter ausgebaut.
Energie: Entlastungen und Förderprogramme
Ab 2026 entfällt die Gasspeicherumlage vollständig. Die Kosten werden künftig aus Haushaltsmitteln getragen, was zu niedrigeren Gaspreisen führen soll. Auch Stromkunden profitieren: Die Netzentgelte werden durch Bundeszuschüsse in Höhe von 6,5 Milliarden Euro gedämpft.
Die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe sowie für Land- und Forstwirtschaft wird dauerhaft auf den EU-Mindestsatz gesenkt. Insgesamt summieren sich die Energiekosten-Entlastungen auf rund zehn Milliarden Euro. Förderprogramme für energetische Sanierungen, Wärmepumpen und energieeffiziente Neubauten bleiben bestehen. Zusätzlich wird die Agrardiesel-Subvention wieder eingeführt.
Umwelt und Klima: Neue CO₂-Regeln und mehr Recycling
Das nationale CO₂-Bepreisungssystem wird 2026 auf ein Auktionsmodell umgestellt. Der Preis pro Tonne bewegt sich zwischen 55 und 65 Euro. Parallel startet der CO₂-Grenzausgleich für bestimmte Importgüter. Kleinstmengen bis 50 Tonnen bleiben ausgenommen.
Im Umweltbereich wird die Entsorgung von Elektroschrott vereinfacht. Händler müssen künftig auch Einweg-E-Zigaretten zurücknehmen. Zudem treten strengere Regeln gegen Greenwashing in Kraft. Umweltbezogene Werbeaussagen müssen dann überprüfbar belegt sein.
Mobilität: Änderungen für Pendler und Verkehrssicherheit
Das Deutschlandticket wird teurer. Der monatliche Preis steigt auf 63 Euro. Gleichzeitig werden neue Sicherheitsstandards für Busse und Lkw eingeführt, darunter Ereignisdaten-Speicher und verbesserte Sichtfelder. Führerscheine aus den Jahren 1999 bis 2001 müssen bis spätestens 19. Januar 2026 umgetauscht werden.
Elektroautos bleiben steuerlich begünstigt. Die Kfz-Steuerbefreiung wird um fünf Jahre verlängert. Zudem investiert der Bund weiter in Schienen, Straßen und Brücken.
Digitalisierung: Weniger Bürokratie, mehr Sicherheit
Mit dem neuen Online-Portal „EinfachMachen“ können Bürger Bürokratie-Hürden melden. Erste Gerichte ermöglichen volldigitale Online-Verfahren für Geldforderungen. Auf EU-Ebene treten neue Regeln zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten in Kraft. Zudem werden die IT-Sicherheitsanforderungen für Unternehmen in kritischen Bereichen deutlich verschärft.
Die elektronische Patientenakte wird weiter verbreitet. Ihre Nutzung bleibt freiwillig, der Zugriff liegt bei den Versicherten.
Gesundheit, Bildung und Verbraucherschutz
Die Krankenhausreform wird ab 2026 schrittweise umgesetzt. Pflegefachkräfte erhalten mehr eigenständige Befugnisse. Im Bildungsbereich steigt die BAföG-Wohnpauschale zum Wintersemester 2026/27 auf 440 Euro. Gleichzeitig fließen Milliarden in Schulen, Digitalisierung und Forschung.
Verbraucher profitieren von neuen Rechten: Ab Juni 2026 müssen Online-Händler einen Widerrufsbutton anbieten. Zudem startet ein zentrales Vergiftungsregister zur Verbesserung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes.
Fazit: Gut informiert ins Jahr 2026
2026 bringt zahlreiche Veränderungen mit sich. Finanzielle Entlastungen, neue Förderungen und digitale Fortschritte stehen strengeren Regeln, höheren Anforderungen und neuen Pflichten gegenüber. Wer sich frühzeitig informiert, kann Vorteile nutzen und sich auf Neuerungen einstellen. Das Jahr markiert einen weiteren Schritt hin zu mehr Digitalisierung, Nachhaltigkeit und sozialer Absicherung in Deutschland.